Abschlusskonzert der Further Chortage 2001 (NGZ)
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Gedenkminute vor kriegerischem Trompetenklang Guido Harzen kommt sofort auf den Kern. Der Kantor an St. Josef, Neuss-Furth, Leiter des jungen Konzertchores Düsseldorf und der Jungen Philharmonie Düsseldorf: "Hier sind über 70 Sänger und Sängerinnen aus den verschiedensten Chören zusammengekommen und haben ganz intensiv zusammengearbeitet. Das sind keine Profis." Also insofern war ein gewisser Mut zum Risiko dabei. Außerdem war die kurze Vorlaufzeit das Besondere dieses Projekts: Sich eine Woche Zeit nehmen und in diese Musik einfinden. Es brauche ja auch nicht bei dem einen Mal zu bleiben, blickt Harzen optimistisch in die Zukunft, denn vielleicht finde der eine oder die andere Geschmack am Chorsingen und mache von nun an regelmäßig mit. Das ist alles noch ganz taufrisch. Anfang des Jahres hat Guido Harzen die Jugendphilharmonie Düsseldorf gegründet. Insofern lag eine Verbindung mit reiner Orchestermusik nahe. Dass auch Josef Haydns "Paukenmesse" ausgewählt wurde, die mit ihren martialischen Klängen derzeit eine ganz aktuelle Bedeutung gewonnen hat, war reiner Zufall und nicht beabsichtigt. Und doch "passt" diese Musik. Um auch noch das letzte mögliche Missverständnis auszuräumen, gab es kurz vor Schluss des Gesamtkonzertes vor dem Agnus Dei, in dem mit Paukenwirbel und Trompetenschall Kriegsmusik ertönt, eine bewegende Gedenkminute. Das Programm an diesem späten Sonntagnachmittag bestand nur aus Glanzlichtern und musikalischen Herausforderungen. Den Roten Faden lieferte Joseph Haydn. So viel lässt sich in jedem Fall sagen: Die Musik funkelte, glitzerte und strahlte, und die Aufgaben wurden glänzend bewältigt. Die Solobläser der "Jungen Philharmonie Düsseldorf" starteten mit dem Divertimento B-Dur von Joseph Haydn. Diese Folge von Tanzsätzen, die thematisch miteinander in enger Beziehung stehen, leiteten über zu "Variationen über ein Thema von Joseph Haydn", op. 56a von Johannes Brahms und dem Hauptwerk des Konzerts, die "Missa in tempore belli", die "Paukenmesse". Die beiden eingangs gespielten Instrumentalstücke entwickelten auch jedes für sich ihre Wirkung. In guter Kammermusiktradition ohne Dirigenten vorgetragen und damit nur von der eingespielten Virtuosität der Solobläser getragen, machte das kleine Ensemble vor allem durch seine Geschlossenheit Eindruck. Endgültig sinfonische Konzertatmosphäre brachten die berühmten "Variationen" in den Kirchenraum: Zehn Sätze, abzüglich des Themas und des Finales also acht Variationen. Als Hauptwerk des Abschlusskonzerts stand die "Paukenmesse" an dritter Stelle. Sie hinterließ den nachhaltigsten Eindruck, nicht zuletzt, weil bei ihr die Zahl der Mitwirkenden auf 115 anschwoll. Ein grandioser Lauf vom bewegenden Kyrie eleison über das Gloria, das Credo, das Sanctus bis zum Agnus Dei. Eindrucksvoll, wie Chor, Instrumentalgruppe und Solisten von Guido Harzen geführt wurden. Die Einsätze stimmten auf den Punkt, und das ganze Ensemble traf stets den richtigen Ton, indem den Versuchungen allzu gefühlsseliger Interpretation nicht nachgegeben wurde. Die Solistenpartien hatten Nina Vaske (Sopran), Alexandra Bröer (Alt), Markus Aporta (Tenor) und Ulf Friedrichs (Bass) übernommen. Aber niemand ist hier besonders hervorzuheben, denn - und das mag als das größte Lob gelten - die Konzertierenden traten als eine geschlossene Einheit auf und musizierten erfrischend sicher. Dass diese Musik nicht wie jede andere ist, und dass sie in dieser ganz besonderen beklemmenden Situation gegeben wurde, das ist wieder eine ganz andere Frage. Klaus Niehörster |