Seelsorgebereichsmusiker Guido Harzen (NGZ ONLINE 10. April 2002)

Musik als Bezugspunkt zur Religion

Ein Kirchenchor, ein Gospelchor, Frauenschola, Choralschola und drei Kinderchöre - das sind zusammen mehr als 150 Sänger und Sängerinnen aller Alterstufen (die jüngsten sind fünf), die unter der Federführung von Guido Harzen das Musikleben allein der St. Josefsgemeinde gestalten.

Seit zehn Jahren ist der in Lörick geborene Guido Harzen Kirchenmusiker in der St.Josefsgemeinde. Als Seelsorgebereichsmusiker betreut er zudem die Thomas-Morus-Gemeinde. NGZ-Foto: H. Jazyk

Dazu kommen noch die Chöre der Thomas-Morus-Gemeinde, denn der 34-Jährige ist ein Seelsorgebereichsmusiker in der Katholischen Kirche, betreut also mehr als nur eine Gemeinde. Die Vielzahl der Chöre spiegelt zugleich auch die Vielfalt der Musik wieder, die Harzen seinen Gemeindemitgliedern zu hören gibt: "Ich versuche schon, ein möglichst breites Spektrum abzudecken", sagt er, "vom Neuen geistlichen Lied bis hin zur gregorianischen Musik." Dafür stehen gewissermaßen die einzelnen Chöre, obwohl der Kantor auch ganz klar sagt, dass er keine "festen Fraktionen für die unterschiedlichen Richtungen" haben möchte, sondern grundsätzlich den musikalischen Horizont erweitern will. Da gibt s dann schon mal ein "Chorhappening" von Choralschola und Gospelchor, ein Experiment, das geklappt hat und "für beide eine Annäherung an etwas war, was man nicht kannte."

Dass das Mitsingen in einem der Chöre nicht losgelöst sein kann vom Glauben, ist für Harzen keine Frage. Er sieht in der Kirchenmusik zugleich auch ein Verkündigungsamt, "vielleicht sogar noch mehr als im Wort, weil die Menschen mit der Musik ganz emotional angesprochen werden." Es gebe viele Menschen, so hat er festgestellt, deren "einziger Bezugspunkt zur Religion die Musik ist". Gleichwohl spielt die Konfession seiner Sänger und Sängerinnen für ihn keine Rolle. Und weil man sich früh um Nachwuchs bemühen muss, hat der Kirchenmusiker, der bei St. Josef eine A-Stelle innehat, schließlich den dritten Kinderchor gegründet, bei dem auch sein eigener fünfjähriger Sohn mitmacht.

"Kinder singen grundsätzlich gerne", sagt er, aber er hat auch beobachtet, dass das in vielen Elternhäusern keine Rolle mehr spielt. "Insofern übernehmen wir auch die Funktion, die Mutter und Vater früher gehabt haben." Für ihn ist dabei wichtig, die Jungen und Mädchen im Laufe der Zeit an das Repertoire der Gemeinde heranzuführen. Deshalb ist das Chorwesen bei Kindern wie eine Pyramide angelegt: Die Fünf- bis Achtjährigen singen im "kleinen Chor", die Neun- bis 13-Jährigen im "großen Chor", und ab 14 Jahren darf man im Gospelchor mitsingen.

Harzen hat zwar durchaus eine Schwäche auch für Neue Kirchenmusik, weiß aber, dass diese "in der Gemeinde weniger geliebt wird". Ein Spiel-Feld dafür bietet sich ihm aber mit dem Jungen Konzertchor Düsseldorf, den er gegründet hat. Und weil der studierte A-Kirchenmusiker auch noch Kapellmeister ist, steht er zudem der Jungen Philharmonie vor. Von beiden Aktivitäten profitiert auch das Gemeindeleben: "Ich glaube mit unseren Orchestermessen sind wir ziemlich einzigartig."

Helga Bittner